Überblick

Die Wallwitzburg befindet sich am Stadtrand der kreisfreien Stadt Dessau im süd-östlichen Sachsen-Anhalt, bis 1918 Hauptstadt des kleinen Fürstentums Anhalt.
Sie gehört mit dem Gartenreich Dessau-Wörlitz und dem Biosphärenreservat Mittlere Elbe zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Die Burg wurde als Ruinenarchitektur in Form eines mittelalterlichen Burgrests aus Ziegelmauerwerk erbaut. Dies geschah zwischen 1796 und 1800. Das Bauwerk befindet sich in exponierter Lage auf dem ca. 30 Meter hohen Wallwitzberg (75 NN) inmitten einer "parkartig verschönerten Landschaft", dem Beckerbruch und Streitwerder. Sie war in zahlreiche Sichtachsen eingebunden und ist es teilweise heute noch. Die Burg sollte als Aussichtspunkt dienen und mit ihrem weithin sichtbaren Turm der Umgebung einen festen Blickpunkt geben.

Das Gebäude war in Folge des zweiten Weltkrieges bis 2006 stark zerstört. Nun ist es nach der Sicherung als Aussichtspunkt umgebaut worden und wartet auf seine vollständige Rekonstruktion.

Der Name Wallwitz geht auf das gleichnamige Adelsgeschlecht zurück, welches schon im 16 Jahrhundert in diesem Gebiet Ländereien besaß.

Wallwitzberge - Teil des Gartereiches Dessau-Wörlitz - UNESCO-Weltkulturerbe

Ende des 18. Jahrhunderts legte der aufgeklärt-absolutistische Fürst Leopold III. Friedrich Franz (genannt "Vater Franz", 1740-1817) den englischen Landschaftsgarten Wörlitz an und schuf den ersten klassizistischen Schloßbau in Deutschland. Der Architekt war kein geringerer als Friedrich Wilhelm Freiherr von Erdmannsdorff (1736-1800). Dieser war von 1758 bis zu seinem Tode im Dienste des Fürsten. Er schuf 1786-88 unter anderem auch einzigartige Innenarchitekturen im leider zerstörten Berliner Schloß, sowie in Sanssouci in Potsdam. Doch nicht nur der genannte prachtvolle nach ganz neuen Idealen der Aufklärung gestaltete Landschaftsgarten zählt zum Werk des „Friedensfürsten“. Denn über Anhalt-Dessau verzweigt sich ein weites Netz von Kleinarchitekturen, Wallwachhäusern, Alleen und anderen Elementen, genannt Dessau-Wörlitzer Gartenreich. Leider sind viele der Sichtachsen, Architekturen und Alleen aus dieser Zeit heute zerstört oder müssen erst wieder entdeckt oder hergestellt werden. Oft mangelt es am Willen und Geld dazu.
Der Bruder des Fürsten Franz wollte einen ebenso schönen Landschaftsgarten gestalten lassen und ließ den Georgengarten mit dem Beckerbruch anlegen. dieser Teil des Gartenreiches untersteht nicht der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz. Somit fehlt dem Gebiet oft die Aufmerksamkeit, die ihm gebührt. Das Georgium, sowie der Beckerbruch liegen mit der Abdankung der Fürsten 1918 im Verantwortungsbereich der Stadt Dessau. Zahlreiche Veränderungen, angefangen Ende der 20-iger Jahre durch Gewässerumgestaltungen, durch Trümmerschüttung in der ersten Hälfte des 20. Jhd., mangelnde Pflege in den letzten Jahrzehnten und zuletzt durch überzogene Deichbaumaßnahmen fügten dem Park Wunden zu, die nur all zu schwer wieder zu heilen sind. Das Gelände ist weiterhin dem Vandalismus ausgesetzt. Die Wallwitzberge wurden bis 2005 sogar illegal als Motor- und Biker-Sportgelände genutzt. Aufgrund der genannten Probleme muß dem kleinen Teil dieses schönen Parks, den so genannten "Wallwitzbergen" Beachtung geschenkt werden.

Die Wallwitzberge werden südlich vom Elbe-Radwanderweg, dem internationalen R1, sowie dem Fürst-Franz-Weg und dem Beckerbruch, als Teil des Georgiums tangiert.
Sie sind eiszeitlichen Ursprungs und heben sich durch die künstliche Erhöhung im 18. Jahrhundert von der weitgehend ebenen Umgebung erst langsam, dann doch recht eindeutig vom übrigen Gelände ab. Es handelt sich um einen zirka 500 m langen für diese Umgebung recht hohen Höhenzug mit mehreren Hügeln.

Zwischen den Bergen und der Planwiese befand sich ein lang gezogenes Gewässer mit drei kleinen Inseln. Heute ist dieses Gewässer Teil des Wallwitzsees, der zu DDR-Zeiten im Zuge des Kiesgewinnung und Errichtung eines Anglerteiches mit einer weiteren länglichen Insel die Planwiese ersetzte. Das neue Anglergewässer wurde nötig, da die Angelteiche am Kornhaus wegen des neuen Klärwerks zugeschüttet wurden.

Auf dem höchsten, dem namensgebenden Wallwitzberg befindet sich die Burg. Die anderen Erhebungen sind der ''Raumers Hügel'', der ''Rodes Hügel'', der ''de le Roys Hügel'' und der ''Agneshügel''. Ruhesitze, Vasen und ein Steinaltar zierten die Hügelgruppe. Heute ist davon nur noch eine Vase und Reste des Steinaltars erhalten. Latdorfs Sitz wurde noch nicht wieder gefunden. Zwei Steinbänke müssen noch wieder instand gesetzt werden. Das Berge und gerade die Vertiefung zwischen den Wallwitzbergen war ursprünglich mit einem dichten Kiefernwald bepflanzt und wurde daher Wolfsschlucht genannt. Heute befinden sich hohe Laubbäume in den Bergen. 2007 wurden dutzende neue Kiefern gepflanzt. Im Jahr 2008 wurde eine Vase durch den Verein wieder aufgestellt.

Nördlich, entlang des 2004/2005 erbauten Deiches befand sich ursprünglich ein alter dann fast verlandeter Arm der Elbe, nur wenige Meter breit, der in den 20-iger Jahren leider mit Schutt verfüllt wurde. Hier möchte der Verein eine Freilegung des Wasserlaufes erreichen.
Die Wasserläufe waren ein wichtiger Bestandteil der Landschaftsgestaltung und gaben diesem Teil des Parks sein einmaliges Flair.
Etwa 250 m süd-westlich des ''Wallwitzberges'' lag auf einer kleinen mit Eichen und Buschwerk bestandenen Insel, gesäumt von Silberpappeln, eine Sandsteinfigur: die Schlafende Nymphe, -Schäferin oder auch Cleopatra genannt, welche 2004 im Zuge eines Arbeitseinsatzes neu aufgestellt wurde. Im Laufe der Jahre war sie durch jährliche Überflutung durch Hochwasser in den Boden gesunken.

Östlich der Wallwitzberge finden wir den sogenannten Peisker, dem heutigen Wallwitzhafen. Die dort Richtung Roßlau beginnenden Eisenbahn-Überführungen nahe der Burg dienen als Flutöffnungen des Eisenbahndammes des 2,4 km langen zweigleisigen Streckenabschnittes der die Eisenbahnstrecke Magdeburg - Dessau - Leipzig verbindet. Ab Februar 2007 begann man mit dem Neubau der Brücken mit Baufeldfreimachung und Rodung sowie Anlegen der Baustraßen. Im Juni erfolgten die ersten Dammschüttungen. In insgesamt fünf Dammabschnitten auf rund 2000 Meter Länge wurden bis zu 143.000 Kubikmeter Dammmaterialien eingebaut. Darauf folgten bis Herbst 2008 Bohrpfahl-, Tief- und Flachgründungen sowie die Herstellung der massiven Unterbauten. Fünf stählernen Bogenbrücken: Muldebrücke, Wiesenflutbrücke, Fährseebrücke, Schumannbrücke und Peiskerbrücke mit einer Gesamtlänge von 430 Metern und vier massive Betonbrücken auf 340 Meter: Muldeflutbrücke, Trog am Fährsee, Moderberg und Wallwitzhafen. der und überspannen das Überflutungsgebiet der Elbe und Mulde zwischen Roßlau und Dessau. Durch Verbesserung der Bautechnologie sind die für 2009 vorgesehenen Rahmenbauwerke der Eisenbahnüberführungen am Moderberg und Wallwitzhafen im Rohbau bereits zwischen Mai und Oktober 2008 fertig gestellt. Am 27.10.08 um zwölf Uhr begann der Einschub des ersten 87 Meter lange und 830 Tonnen schweren Brückenbauwerks. Die Brückenbauten(bis 2010) sind Voraussetzung für den sich anschliessenden Umbau des Eisenbahnknotens Dessau-Roßlau. Anschließen sollen sich ökologische Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen von umfangreiche Pflanzungen im unmittelbaren Streckenbereich.

Geschichte der Burg

Im Zuge der Gestaltung des Georgengartens und Beckerbruchs (1781 – ca. 1800) wurde die Wallwitzburg noch vor 1800 erbaut. In Folge eines Deichdurchbruches bei dem großen Hochwasser 1786 wurden die Wallwitzberge im Zuge der Parkgestaltung erhöht. Das sandhaltige angeschwemmte Erdreich stammte vom Peisker und aus dem unweit gelegenen so genannten Roten Loch, welches heute verschüttet ist. Ursprünglich war statt der mittelalterlichen Burgruine ein kleiner Vestatempel vorgesehen gewesen. Doch man entschied sich um. Die Burg wurde als Ruinenarchitektur in Form eines mittelalterlichen Burgrests aus Ziegelmauerwerk in den Jahren vor 1800 erbaut. Der Turm an der Nord-Ost Ecke der neugotischen Burg war zunächst offen. Weil aber zu viel Unfug, wie Hakenkreuzschmierereien vorkam, wurde er mit einer Eisentür verschlossen und blieb jahrzehntelang unzugänglich. In August Fuch's Beschreibung von 1843 ist die Wallwitzburg ebenfalls schon abgeschlossen und den Schlüssel konnte man sich vom Kastellan des Georgengartens ausleihen. Erst nachdem der Wallwitzberg zusammen mit dem Beckerbruch 1919 mit der Abdankung des Fürstenhauses an die Stadt abgetreten war, wurde der Aussichtsturm wieder zugänglich gemacht. Zu dieser Zeit wurde auch erst der direkte Abstieg nach der Elbseite geschaffen. Es sollte einmal ein Botanischer Garten nahe der im Beckerbruch bereits angelegten Fasanerie entstehen eventuell sogar unter Einbeziehung des Bereiches der Wallwitzberge. Außer wenigen Arbeiten am "Fasanerieteich" ist es bis heute zu keinen Arbeiten gekommen.

Mitte Juni 1908 wurde die Burg durch den Fürsten feierlich der Öffentlichkeit übergeben und war zunächst Sonntags zwischen 15 und 19 Uhr zugänglich.

Die Wallwitzburg war bis 1944 an Wochenenden geöffnet und konnte gegen ein geringes Entgelt über den Turm bestiegen werden. Der Aktenhefter bei der Landesregierung Herr Heinvetter achtete auf Ordnung schenkte Getränke an die Besucher aus und nahm Eintritt. Es gab Bier und rote Brause. Das Erdgeschoss diente als Unterstand und war demzufolge kein geschlossener Raum. Das erste OG besaß eine Spitzbogen öffnung. Das Gebäude war außen nur teilweise verputzt. Eine Wendeltreppe im Turm führte bis in das 2. OG. Dort ging man über einen Erker aus südlicher Richtung in das Gebäude. Hier konnte man durch das neugotische Fenster den Ausblick bei schlechtem Wetter genießen, wenn es auf der Plattform zu ungemütlich war. Nun war es wiederum möglich auf die zinnenbekrönte Dachplattform in 8 m Höhe zu gelangen, von der man einen guten Ausblick über das Unterluch, dem Land innerhalb des Elbbogens hatte. Gegen Abend sammelte sich an dieser Stelle das Wild. Außerdem gab es zahlreiche Sichtachsen zu anderen Architekturen des Parks oder des Gartenreichs. Wenn man gen Osten blickte, bekam man die tägliche Arbeit am großen "Wallwitzhafen" mit, der dafür zuständig war Schüttgut von der Schiene auf die Elbekähne und umgekehrt zu befördern. Heute ist nur noch ein kleiner Sportboothafen dort angesiedelt. Die Hafengebäude sowie der Bahnhof Dessau-Wallwitzhafen existieren nicht mehr oder sind zerfallen.
Die Wallwitzburg selber wurde als Flag-beobachtungsposten genutzt, hier waren hauptsächlich Jugendliche eingesetzt. Zu dieser Zeit wurde eine 2. Geschoss as Beton eingezogen. Die Amerikaner schossen mit Artillerie nur einmal auf die kleine Burg, somit war der Aufgang bis zur Plattform unmöglich. Der Turm war teilzerstört und wurde als Steinbruch genutzt. Zu DDR-Zeiten wird die Wallwitzburg von Bergsteigern genutzt und in den 1980er Jahren für Besucher wegen Einsturzgefahr gesperrt.