Wallwitzburg-Verein will hoch hinaus Original-Artikel als Bild zum anschauen
Privatinitiative soll Vorhaben der Stadt Dessau ergänzen
Mitteldeutsche Zeitung, Anhalt-Kurier, von Carla Hanus, 18.01.06, Seite 8.

|Die Wallwitzburg im hinteren Georgengarten von Dessau soll noch in diesem Jahr wieder als Aussichtsturm begehbar sein.
Ein neu gegründeter Verein will die Vorhaben der Stadt Dessau ergänzen|
Dessau/MZ. Auf Privatinitiative setzen Peter York, Martin Förster und Andreas Völker. Denn nur auf diesem Wege sei eine Rekonstruktion der Wallwitzburg im hinteren Georgengarten in naher Zukunft möglich, meinen sie und haben mit weiteren Mitstreitern der ehemaligen Arbeitsgruppe "Wiederaufbau Wallwitzburg" den Verein "Wallwitzburg Dessau" gegründet.
Schon im April vorigen Jahres hatte der Dessauer Gymnasiast Martin Förster zu einem Treffen am Fuße der Wallwitzburg aufgerufen mit dem Ziel, einen Verein zu gründen. Weil ihn ärgerte, dass von dem Bauwerk im neugotischen Stil mit verspielten Zinnen und einem schlanken Türmchen nur noch eine Ruine übrig geblieben ist. Weil das Umfeld als Mountainbike-Strecke genutzt und entsprechend zerfahren wurde. Weil der kleine Ruinenhügel am Streitheger immer wieder zugemüllt wurde. Wochenendeinsätze mit einigen weiteren Enthusiasten gehörten schon damals für Martin Förster als erste Maßnahme zur Rettung der Wallwitzburg dazu. Im Verlauf des Jahres wurden es einige mehr.
Durch seinen ersten Anlauf, einen Verein zu gründen hat Martin Förster auch Kontakt zu Kirsten Lott vom städtischen Amt für Umwelt- und Naturschutz / Grünplanung und kennt inzwischen gut die Pläne der Stadt. Noch in diesem Jahr soll die Burg wieder als Aussichtsturm begehbar werden. Erste Arbeiten im Umfeld der Burg, zu denen Fällungen von Robinien gehörten, sind bereits erfolgt.
| "Wir befürchten, dass nach der Sicherung der Ruine weitere Wiederaufbaupläne schwer durchzusetzen sind" Martin Förster - Wallwitzburg-Verein |
Doch die Vorhaben der Stadt, die aus Mitteln zur Förderung der wirtschaftsnahen Infrastruktur finanziert werden, reichen den jungen Wallwitzburg-Fans nicht aus.
Zwar bekennen sie sich eindeutig dazu und erklären, dass der Wiederaufbau der Wallwitzburg in Zusammenarbeit mit der Stadt Dessau vollzogen werden soll. Allerdings sehen sie darin nur einen ersten Schritt in die richtige Richtung. "Wir befürchten, dass nach der Sicherung der Ruine eine gewisse Zufriedenheit über den Zustand der Burg eintritt und weitere Wiederaufbaupläne endgültig schwer durchzusetzen sind", erklärt Martin Förster den Ansatzpunkt des Vereins, dessen Baubestrebungen über die derzeitigen Möglichkeiten der Stadt hinaus geht.
Unter anderem wollen die Vereinsmitglieder erreichen, dass die aktuellen Bauvorhaben der Stadt für die Besteigung der Burg einem möglichen später zu errichtenden Treppentürmchen nach historischen Plänen nicht im Wege stehen. Die möglichst originalgetreue Rekonstruktion des Turms nach historischem Vorbild und mit historischen Baumaterialien soll nach Vorstellung der Vereinsmitglieder bis zur 211-Jahrfeier der Wallwitzburg im Jahre 2010 beginnen oder sogar abgeschlossen sein.
Zunächst einmal wirken sie auf die Eintragung ins Vereinsregister und die Anerkennung der Gemeinnützigkeit hin. Außerdem suchen sie Sponsoren und interessierte Mitglieder. Derzeit erarbeiten sie ein Internetportal, das in Kürze zu finden sein soll unter www.wallwitzburg.de.