Wege harken am Fuße der neuen Wallwitzburg Original-Artikel als Bild zum anschauen
Verein lädt am Sonntag zum Arbeitseinsatz und findet auch Freiwillige

Mitteldeutsche Zeitung, von Thomas Steinberg, 04.12.06, Seite 7.

|Arbeitseinsatz im Morgengrauen Noch im Morgengrauen waren die ersten Helfer am Wallwitzberg im Einsatz.|

Dessau/MZ. Grau hängt der Himmel und tief über der Wallwitzburg am ersten Adventssonntag. Zwar ist es mild, aber einen Anlass, das Haus am frühen Morgen zu verlassen, bietet das Wetter wahrlich nicht. Man sollte zu Hause sitzen, die Kerze anstecken, frühstücken, Kaffee trinken.
Und doch: am Fuße der Wallwitzburg und auf der gerade sanierten Ruine tummeln sich Leute. "Wir hatten den Termin schon lange geplant, dass es der Erste Advent ist, haben wir erst später gemerkt", entschuldigt sich Martin Förster. Förster, Jahrgang 1985, ist Vorsitzender des Wallwitzburg e. V., und der hat zum Arbeitseinsatz geladen.
Mit seinem gleichaltrigen Vize Thomas Hartmann schrubbt er die blechgedeckten Zinnen der Burg, auf denen jemand mit fettem Edding seine Insignien hinterlassen hat. Den Aceton-Geruch kann auch der Wind nicht vertreiben. Förster deutet auf Schmutzspuren an der Wand: Einfach dagegen getreten, sagt er. Bescheuert.
Dann der Blick ins Land. Über die Elbe, Richtung Roßlau. Auf der anderen Seite: Rathausturm und Marienkirche, die kahlen Äste der Bäume geben den Blick frei. "Eigentlich müssten die ollen Robinien weg. Wenigstens für diese Sichtachse, finden wir", sagt Förster.
Indes: Es hat sich schon jetzt viel getan an der Wallwitzburg: Fördermittel machten es möglich. Und diese Tatsache, gepaart mit den Aktivitäten des Vereins, lockt andere, mitzutun. Am Sonntag räumen sie den Wald auf, lichten das Unterholz aus, sammlen Müll, tilgen die Spuren, die der Kampfmittelbeseitigungsdienst hinterlassen hat.
Die meisten derer, die am Sonntag gekommen sind, gehören nicht dem Verein an, jedenfalls nicht dem Wallwitzburg e.V. "Wir sind eine Sportgruppe beim SV Eintracht", sagt Karin Schewe. Als sie vom Arbeitseinsatz gelesen hatten, hätten sie beschlossen mitzumachen. Warum? "Ich bin alte Ziebigkerin, kenne die Burg schon seit über 50 Jahren."