Lichter verzaubern die Wallwitzburg Original-Artikel als Bild zum anschauen

Verein feiert Wintersonnenwende - Besucher sind begeistert

Mitteldeutsche Zeitung, von Jörg Müller, 23.12.06, Seite 10.

|Auch eine Walking-Gruppe kam in den Genuss des «Lichtermeers» zur Wintersonnenwende: Die Wege unterhalb des Wallwitzberges und zur Burg hinauf waren mit Dutzenden Teelichtern markiert. Zum Frühlingsanfang im kommenden Jahr wird der Verein die Tradition eines Frühstücks bei Sonnenaufgang wiederbeleben.|

Dessau/MZ. Seit dem Hochwasser vor vier Jahren hatte die Fackel in Jörg Schades Garage gelegen. "Ich wusste, irgendwann brauche ich die noch mal", erzählt der 60-jährige Ziebigker. Am Donnerstagabend ist es so weit: Gemeinsam mit seiner Frau Barbara und einigen Bekannten steht Schade auf dem Wallwitzberg - mit der Fackel in der Hand. Der Wallwitzburg-Verein hat zu einem Fest zur Wintersonnenwende eingeladen: Mit einem "Lichtermeer" wird die längste Nacht des Jahres gefeiert. Denn das bedeutet schließlich, dass nun die Tage wieder länger werden.
Jörg Schade kennt den Wallwitzberg seit seiner Kindheit als "höchsten Rodelberg von Dessau" und als "wunderbaren Treffpunkt". Und auch den immer weiter fortschreitenden Verfall der Burg hat er natürlich verfolgt. "Noch zehn Jahre Sozialismus, und da wäre nichts mehr zu retten gewesen." Umso mehr freuen sich seine Frau und er, dass die Aussichtsplattform jetzt rekonstruiert ist. "Es ist phantastisch, was hier entstanden ist", sagt er. "Vor allem: Die Initiative ist ja von jungen Leuten ausgegangen." Und die Aussicht, fügt Barbara Schade hinzu, sei "einfach bombastisch". "Dessau hat wieder etwas gewonnen."
Auch Martin Förster und seine Mitstreiter freuen sich an diesem Abend. "Wir hätten nicht gedacht, dass so viele Leute kommen", sagt der Vorsitzende des Wallwitzburg-Vereins. Dicht gedrängt stehen die Besucher auf dem Berg, schwatzen, trinken Glühwein und essen Plätzchen. Und steigen - trotz der Dunkelheit - natürlich auch die Wendeltreppe hoch. Fernsicht gibt es zwar nicht mehr, aber dafür zaubern Dutzende Teelichter, Kerzen und Fackeln eine wunderbare Atmosphäre auf Berg und Burg.
Die Idee mit dem Wintersonnenwende-Fest sei sehr kurzfristig entstanden, erzählt Martin Förster. Ein MZ-Leser hatte kürzlich an die kaum noch bekannte Tradition erinnert, dass man sich zum Frühlingsanfang bei Sonnenaufgang an der Wallwitzburg traf, um gemeinsam zu frühstücken. Eine Anregung, die der Verein gern aufnahm: Im kommenden Jahr wird es wieder ein Frühlingsanfangs-Frühstück geben. Und in diesem Zusammenhang wiederum "haben wir uns gedacht: Warum sollen wir nicht auch die Wintersonnenwende feiern?", so Förster.
Der Anfang dieses Jahres gegründete Verein mit derzeit 25 Mitgliedern unterstützt die Stadt durch Arbeitseinsätze und Sammlung von Spenden bei der Rekonstruktion der Wallwitzburg und der Herrichtung ihres Umfeldes. Nächste Ziele, so der 21-jährige Vorsitzende, seien die Wiederaufstellung einer historischen Sandsteinvase unterhalb des Berges sowie der Aufbau des Erkers an der Burg und eines Raumes im Obergeschoss. Schließlich soll auch der historische Treppenturm rekonstruiert werden. Wer dafür spenden möchte, kann zum Beispiel einen symbolischen Ziegelstein oder eine symbolische Treppenstufe finanzieren.
Am 7. Januar, 15 Uhr, lädt der Verein zu einem Vortrag über die Wallwitzburg in das Kornhaus ein.