Wallwitzburg
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Herrliche Aussicht lockt wieder Wanderer an
Amtsblatt der Stadt Dessau, von Carsten Sauer, 23.12.2006, Seite 1.

| Zahlreiche Desauerinnen und Dessauer erkundeten die rekonstruierte Wallwitzburg am 15. Dezember zur Einweihungsfeier und genossen bei klarem Wetter den tollen Ausblick über Dessau und bis nach Roßlau|
Die Wallwitzburg im GeorgengartenWenn man so will, teilte die Wallwitzburg
das Schicksal vieler, ja wohl der meisten deutschen Burgen: hoch droben auf
ihrem Hügel dämmerte sie seit Generationen als Ruine dahin und inspirierte
vorbeiwandernde Spaziergänger zur romantischen Erinnerung an vergangene
Zeiten. Mit einem Unterschied: einen Burgherrn oder ein Burgfräulein
gar hatte diese Burg seit jeher nie besessen, war sie doch von Anbeginn miniaturhafte
öne allerdings und darum nicht minder eine Attraktion.
Wie viele Bauwerke im Dessau-Wörlitzer Gartenreich diente sie seit ihrer
Errichtung im ausgehenden 18. Jahrhundert als Gestaltungselement für
die sie umgebende Parklandschaft. Im Sinne der klassizistischen Architektur,
die das gesamte Gartenreich prägt, sollte hier, am nördlichen Ende
des Georgengartens, ursprünglich ein weiterer Tempel (ein sog. Vestatempel)
entstehen. Doch die Bauherren entschlossen sich schließlich für
einen Aussichtsturm in neugotischem Gewand, zumal die Wallwitzberge als höchster
Ort im Dessauer Stadtgebiet geradezu einluden, hier den Blick in die Ferne
schweifen zu lassen.
In einer zeitgenössischen Schilderung wird der Erlebniswert des Bauwerkes
in diesem abschließenden Teil des Georgengartens anschaulich wiedergegeben:
"Und, hoch über dem umgebenden Wald erhaben, welch eine herrliche
Aussicht genießt man nicht an diesem Orte...Man sieht die, nicht selten
mit Schiffen bedeckte Elbe, sieht diesseits das hiesige Kornmagazin nebst
dem Dorfe Groß Kühnau, sieht den Elbpavillon und das Dorf Mosigkau,
sieht das Elbhaus und die Mückenberge..."
Nicht viel anders ergeht es dem Besucher heute wieder, denn die Wallwitzburg
und ihr Umfeld wurden im Rahmen einer Maßnahme zur Förderung der
regionalen Wirtschaftsstruktur teilweise rekonstruiert und laden wieder zur
Besichtigung ein. Erst vor wenigen Tagen, am 15. Dezember nämlich, wurde
dies mit einer kleinen Einweihungsveranstaltung am Fuße der Burg gemeinsam
mit den Dessauern gefeiert.
Dr. Kirsten Lott, Sachgebietsleiterin für Freiraum- und Grünplanung
im Hochbauamt, fasst das erfreuliche Ergebnis so zusammen: "Die Wallwitzburg
ist jetzt ein gut gesichertes Bauwerk mit Aussichtsplattform."
Und tatsächlich: ein geschlossenes Bauwerk wie ehedem ist die Wallwitzburg
zwar nicht wieder geworden, aber mit frischem Kalkputz, angebauter Wendeltreppe
und gestalteten Wegen über die umliegenden Hügel empfängt sie
den Besucher als ein hübsches Kleinod historischer Gartenarchitektur,
an dem er verweilen und von der Plattform den Panoramablick über die
Baumwipfel in vollen Zügen genießen kann. Demgegenüber war
die Rekonstruktion mit ca. 120.000 Euro Gesamtkosten vergleichbar preiswert.
Einen Wunsch hätte Kirsten Lott freilich noch: dass der hoch aufragende
Treppenturm mit seinen Zinnen wieder hinzukommt und so wie dereinst schon
von weitem den Besucher anlockt. Der neu gegründete Förderverein
Wallwitzburg e.V. setzt sich darüber hinaus für die vollständige
Wiederherrichtung des Baudenkmals ein.
Auch unweit von der Wallwitzburg tut sich einiges: die Arbeiten am Viereckteich
sind noch in vollem Gange. Nach der Entschlammung des Teiches sind u.a. noch
die Uferbereiche zu begrünen sowie die Treppen und Banknischen rund um
das Gewässer wiederherzustellen. Im Frühjahr soll alles fertig sein.